
Typ-2-Diabetes ist eine häufige Erkrankung, die häufig mit Insulinresistenz und Übergewicht verbunden ist. In den letzten Jahren haben zwei Diätansätze, die als wirksam zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle gelten, an Beliebtheit gewonnen: Kalorienrestriktion (CR) und intermittierendes Fasten (IF). Doch welche Methode ist wirklich die bessere Wahl für Menschen mit Typ-2-Diabetes? In diesem Artikel schauen wir uns beide Strategien genauer an und betrachten, was die Wissenschaft zu ihrer Wirksamkeit sagt.
Was sind Kalorienrestriktion und intermittierendes Fasten?
Kalorienrestriktion (CR)
Kalorienrestriktion bedeutet einfach, dass Sie die Kalorienaufnahme täglich reduzieren. Zum Beispiel könnten Sie Ihre tägliche Kalorienzufuhr um 15–30 % verringern. Ziel ist es, den Körper in ein Energiedefizit zu versetzen, was langfristig zu einer Gewichtsreduktion führt. Durch das reduzierte Körpergewicht sinken auch die Insulinresistenz und der Blutzuckerspiegel.
Intermittierendes Fasten (IF)
Intermittierendes Fasten unterscheidet sich von der kontinuierlichen Kalorienrestriktion darin, dass der Fokus darauf liegt, wann Sie essen, nicht unbedingt wie viel Sie essen. Es gibt verschiedene Varianten des intermittierenden Fastens:
- 5:2-Diät: An zwei Tagen in der Woche wird die Kalorienzufuhr stark reduziert, während an den anderen fünf Tagen normal gegessen wird.
- Alternate-Day Fasting (ADF): An jedem zweiten Tag wird auf Nahrung verzichtet oder nur sehr wenig gegessen.
- Time-Restricted Eating (TRE): Es wird ein festgelegtes Essfenster (z. B. 8 Stunden pro Tag) definiert, in dem gegessen werden darf, während die restlichen Stunden des Tages fasten.
Diese Methoden versprechen, den Insulinspiegel zu senken und die Blutzuckerwerte zu stabilisieren.
Was sagt die wissenschaftliche Forschung?
Gibt es eine klare Methode, die besser funktioniert?
Die Antwort auf diese Frage ist nicht ganz eindeutig. Studien haben gezeigt, dass sowohl Kalorienrestriktion als auch intermittierendes Fasten bei der Kontrolle des Blutzuckerspiegels und der Gewichtsreduktion vergleichbare Ergebnisse liefern. Beide Methoden wirken gut, aber es gibt keine klare Überlegenheit der einen Methode gegenüber der anderen.
Einfluss auf den Blutzucker
Die Wirkung auf den Blutzucker (insbesondere der HbA1c-Wert) ist bei beiden Diäten in etwa gleich. In mehreren Studien, die beide Methoden miteinander verglichen haben, wurde festgestellt, dass sowohl Kalorienrestriktion als auch intermittierendes Fasten zu einer Reduktion des HbA1c-Wertes führen – in der Regel um etwa 0,5 bis 1,0 Prozentpunkte. Der wichtigste Faktor für die Blutzuckerverbesserung ist dabei nicht die Methode selbst, sondern der Gewichtsverlust, der durch die Kalorienreduktion erzielt wird.
Einfluss auf das Körpergewicht
Beide Methoden fördern den Gewichtsverlust. Die meisten Menschen, die eine der beiden Diäten umsetzen, verlieren zwischen 5 % und 10 % ihres Körpergewichts. Dies hat einen bedeutenden positiven Effekt auf den Blutzuckerspiegel und kann in einigen Fällen sogar zu einer Remission des Typ-2-Diabetes führen – was bedeutet, dass der Diabetes vorübergehend in den Hintergrund tritt und keine Medikamente mehr benötigt werden.
Remission bei frühem Typ-2-Diabetes
Besonders bei früh diagnostiziertem Typ-2-Diabetes (wenn die Krankheit noch nicht weit fortgeschritten ist) können Menschen durch eine Gewichtsreduktion von 10-15 % eine Remission erleben. Studien haben gezeigt, dass der Gewichtsverlust der entscheidende Faktor für eine Remission des Diabetes ist – nicht das spezifische Diätmuster. Es ist also nicht entscheidend, ob Sie sich für intermittierendes Fasten oder Kalorienrestriktion entscheiden, sondern vielmehr, wie konsequent Sie die Methode umsetzen und wie viel Gewicht Sie dadurch verlieren.
Was sagen Experten dazu?
Die American Diabetes Association (ADA) empfiehlt keine spezifische Methode für alle Patienten. Vielmehr betonen sie die Individuenorientierung: Die Wahl zwischen Kalorienrestriktion und intermittierendem Fasten sollte auf den persönlichen Vorlieben und der Fähigkeit zur langfristigen Umsetzung beruhen. Für beide Methoden gilt, dass sie effektiv sind, wenn sie richtig durchgeführt werden, aber die langfristige Adhärenz ist der Schlüssel zum Erfolg.
Risiken und Sicherheit
Beide Methoden gelten als sicher, wenn sie bei Menschen ohne Insulinbehandlung angewendet werden. Bei Menschen, die Insulin oder andere Medikamente zur Blutzuckersenkung einnehmen, sollten jedoch besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Besonders intermittierendes Fasten kann zu Hypoglykämien führen, wenn die Medikamente nicht entsprechend angepasst werden.
Wenn Sie Insulin oder Medikamente wie Sulfonylharnstoffe einnehmen, ist es wichtig, diese in Absprache mit Ihrem Arzt anzupassen, da sich Ihr Blutzuckerspiegel schnell ändern kann, wenn Sie Ihre Essgewohnheiten drastisch umstellen.
Fazit: Was ist für Sie die beste Wahl?
Letztendlich kommt es darauf an, welche Methode für Sie persönlich am besten funktioniert. Kalorienrestriktion und intermittierendes Fasten haben ähnliche Auswirkungen auf den Blutzucker und das Gewicht, aber es gibt keine Methode, die grundsätzlich besser ist als die andere. Der entscheidende Faktor für den Erfolg ist, wie gut Sie eine Methode langfristig umsetzen können.
Wenn Sie feststellen, dass intermittierendes Fasten für Sie besser funktioniert und Sie damit eine gesunde Kalorienzufuhr aufrechterhalten können, dann ist dies eine gute Wahl. Wenn Sie jedoch feststellen, dass eine kontinuierliche Kalorienreduktion einfacher für Sie ist, dann kann auch diese Methode sehr effektiv sein.
In jedem Fall ist der Gewichtsverlust der Schlüssel, und es geht darum, eine Methode zu finden, die Sie langfristig beibehalten können. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sollten immer Teil Ihres Plans sein, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.
